10. März 2017

Pressemitteilung 10.03.2017

Ehrenamt braucht verlässliches Hauptamt, das gilt auch für die Selbsthilfe

Zur Ablehnung des Antrags „Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfe bedarfsgerecht aufstellen und fördern sowie deren Arbeiten achten“ durch die Regierungsfraktionen erklärt der sozialpolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin:

„Wieder einmal droht ein wichtiges soziales Beratungs- und Hilfeangebot durch kurzsichtige Entscheidungen der Landesregierung in Schieflage zu geraten. Diesmal trifft es die Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfe (KISS), von denen es in M-V acht gibt. Diese beraten und unterstützen etwa 900 Selbsthilfegruppen im Land, in denen sich tausende Menschen zusammenfinden, um ihre gesundheitlichen oder sozialen Probleme besser zu bewältigen. Die fünf vom Land geförderten Beratungsstellen wurden im Januar darüber informiert, dass ihre Landesförderung für 2017 gekürzt wird, was die Träger vor kaum lösbare Probleme im laufenden Haushaltsjahr stellt.

Meine Fraktion fordert die Landesregierung auf, die vom Land geförderten Träger 2017 in der bisherigen Höhe zu unterstützen und auch für angemeldete zusätzliche Bedarfe Mittel bereitzustellen. Darüber hinaus soll die Landesregierung den Bedarf an hauptamtlicher Unterstützung für die Selbsthilfegruppen ermitteln, denn östlich von Stralsund, Güstrow und Neubrandenburg gibt es keine hauptamtlichen Strukturen. Das erschwert die Hilfe zur Selbsthilfe und gegenseitigen Unterstützung. Ehrenamt braucht ab einem bestimmten Umfang auch verlässliche hauptamtliche Unterstützung, die auch finanziert werden muss und nicht durch überbordende Bürokratie belastet werden darf. An den KISS werden auch Probleme der gesamten sozialen Beratungslandschaft deutlich: Zwanzig Jahre Projektförderung hat mit guter Arbeit und verlässlichen Rahmenbedingungen nichts zu tun.

Wenn die ehrenamtliche Arbeit – wie geschehen – dann auch noch durch einen Mitarbeiter im Innenministerium des Landes herabgewürdigt wird, dann ist dies auf das Entschiedenste zu kritisieren und zurückzuweisen.“